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Lebendige Erinnerung: Stolpersteine in Rastatt

Seit 2013 erinnern 105 messingfarbene Steine in Rastatt an Opfer des Nationalsozialismus - nicht nur jüdische Mitbürger:innen, sondern auch Jenische, Kommunist:innen und SPD-Mitglieder. Ein breites Bündnis aus Bürger:innen, Kirchen und Stadt hält die Erinnerung wach. Wie der Verein Stolpersteine Rastatt Geschichte sichtbar macht und warum die Arbeit noch lange nicht vorbei ist, lest ihr hier.

Stolpersteine in Rastatt: Ein Verein, der Erinnerung lebendig hält

Lebendige Erinnerung an GräueltatenRastatt. Vor Häusern in der Barockstadt glänzen messingfarbene Steine – jedes ein Denkmal für ein Schicksal. Seit 2013 verlegt der Verein Stolpersteine ??Rastatt diese kleinen Gedenktafeln, um an Menschen zu erinnern, die während der NS-Zeit verfolgt, deportiert oder ermordet wurden. Doch anders als in vielen anderen Städten beschränkt sich das Projekt hier nicht auf jüdische Opfer: Auch Jenische, Kommunist:innen, SPD-Mitglieder und Opfer der Euthanasie-Programme werden gewürdigt.

Ein breites Bündnis für die Erinnerung

Die Initiative entstand 2012 aus einem Zusammenschluss engagierter Bürger:innen, Kirchen, Schulen und Parteien. „Ein Verein, der keiner sein wollte“, beschreibt es der Artikel - denn zunächst suchte man eine Institution, die Spenden annehmen konnte. Als die Zusammenarbeit mit der israelitischen Kultusgemeinde endete, wurde 2013 der eigene Verein gegründet. Heute zählt er 24 Mitglieder und finanziert die Stolpersteine ausschließlich über Spenden.

Recherche, Gedenken, Begegnung

Bevor ein Stein verlegt wird, recherchiert der Verein akribisch: Wo lebte die Person? Wann wurde sie deportiert? Gibt es noch Angehörige? Oft melden sich auch Familien aus dem Ausland, die einen Stolperstein für ihre ermordeten Verwandten wünschen. Die Verlegung selbst wird zu einem öffentlichen Akt - begleitet von Gedenkveranstaltungen, Konzerten und Zeitzeug:innengesprächen.

Herausforderungen und Zukunft

Aktuell gibt es 105 Stolpersteine in Rastatt - doch die Arbeit geht weiter. Besonders schwierig gestaltete sich die Aufarbeitung der Schreck'schen Anstalt, in der Menschen mit Behinderungen Opfer der NS-Euthanasie wurden. Viele Quellen fehlen, und einige Familien lehnten eine Gedenktafel ab.

Mitmachen und unterstützen

Der Verein freut sich über neue Mitglieder und Spenden. Wer sich engagieren möchte, kann sich auf der Webseite informieren oder an Gedenkveranstaltungen teilnehmen - etwa am 9. November, dem Jahrestag der Reichspogromnacht.

Erinnerung ist kein Zufall, sondern eine Entscheidung. In Rastatt wird sie täglich gelebt.


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